Seite 1 von 7 12345 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 70

Thema: Menschen mit Verbindlichkeiten

  1. #1
    Registriert seit
    27.06.2017
    Beiträge
    49

    Standard Menschen mit Verbindlichkeiten

    Eine Frage liegt mir schon seit einiger Zeit auf dem Herzen.
    Wie kommt es eigentlich, dass sobald man Verbindlichkeiten hat, welche man nicht bedienen kann, der Tonfall oft ins Moralisierende, ja ich will nicht sagen ins Belehrende, abgleitet?
    Dabei meine ich nicht nur die unverbindlichen Inkassodomestiken.
    Sondern auch Beratungsstellen und Berater (mögen ein Einzelfälle bei mir und Bekannten sein).
    Verstehe ich da etwas komplett falsch - ohne jetzt in volkswirtschaftliche Komplexe wie die Kredittheorie abzudriften.
    Weshalb wird bei diesem Thema so viel Moralisierung betrieben?
    Wenn ich mich bzgl. meiner Verbindlichkeiten und nach Wegen mich dieser auf für mich ökonomische Weise zu entledigen (im rechtlich zulässigen Rahmen) wieso beschleicht mich dann das Gefühl ich säße in einer Ethikvorlesung? (Schulden kommt von SCHULD haben usw...).

    Bin mittlerweile Beratungsmäßig sehr gut mit Anwalt aufgestellt. Es ist wie gesagt ein Thema was mich schon länger interessiert.
    Geändert von cluedo (15.07.2017 um 00:52 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    01.01.1970
    Beiträge
    1.147

    Lächeln Vbl

    Verbindlichkeiten sind die Dinge wie Miete, Strom , GEZ, Versicherungen, also was du monatlich zu zahlen hast, das ist keine Schuld.

    Schulden sind sowas wie Rückstände, aber die ganze Wirtschaft basiert doch darauf, verwerflich ist es, wenn ich immer weiter mache, mit Schulden machen und den Überblick verliere.

    Außerdem gibt's noch andere Bereiche wo die Moral sehr hochgepriesen wird.

  3. #3
    Registriert seit
    23.05.2015
    Beiträge
    444

    Standard

    Zitat Zitat von cluedo Beitrag anzeigen
    Eine Frage liegt mir schon seit einiger Zeit auf dem Herzen.
    Wie kommt es eigentlich, dass sobald man Verbindlichkeiten hat, welche man nicht bedienen kann, der Tonfall oft ins Moralisierende, ja ich will nicht sagen ins Belehrende, abgleitet?
    Weil man in Deutschland dazu tendiert jeden für sein eignes Glück oder auch Pech persönlich verantwortlich zu machen. Man fragt nicht nach warum eine Situation entstanden ist und es interessiert nicht.

    Wobei man davon ausgeht das sich der einzelne auch den Verlockungen der Konsumwelt wiedersetzen kann, das gilt bei Übergeicht genauso wie bei Überschuldung.

  4. #4
    Registriert seit
    06.04.2013
    Ort
    NRW
    Beiträge
    4.675

    Standard

    Außerdem, so meine Erfahrung, ist die Haut eines Schuldners in vielen Fällen recht dünn geworden, und die Sensibilität gegenüber mutmaßlich belehrenden Worten recht groß geworden.

    Da wird die reine Sachlichkeit, wie sie in einer Anwaltskanzlei herrscht, schnell als wohltuend empfunden.

    Wobei der Anwalt ja zur eigenen Einkommensgenerierung auf Leute mit Schulden geradezu angewiesen ist und einen Teufel tun wird, auch nur andeutungsweise den Zeigefinger zu erheben.

  5. #5
    Registriert seit
    27.06.2017
    Beiträge
    49

    Standard

    Zitat Zitat von anja39 Beitrag anzeigen
    Außerdem, so meine Erfahrung, ist die Haut eines Schuldners in vielen Fällen recht dünn geworden, und die Sensibilität gegenüber mutmaßlich belehrenden Worten recht groß geworden.

    Da wird die reine Sachlichkeit, wie sie in einer Anwaltskanzlei herrscht, schnell als wohltuend empfunden.

    Wobei der Anwalt ja zur eigenen Einkommensgenerierung auf Leute mit Schulden geradezu angewiesen ist und einen Teufel tun wird, auch nur andeutungsweise den Zeigefinger zu erheben.
    Aber gehört diese Sachlichkeit nicht gerade dazu?
    Welchen Zweck sollte denn eine oberlehrerhafte Attitüde verfolgen? Es soll ja wohl kaum dazu dienen den sich in der Beratungssituation befindlichen Menschen auf seine prekäre Situation aufmerksam zu machen. Denn das würde ja lediglich das Offensichtliche feststellen.
    Gerade bei Verbindlichkeiten handelt es sich doch um einen normalen wirtschaftlichen Vorgang. Genauso wie bei der Nichtbedienung von Verbindlichkeiten. Dann sollte es doch auch als solcher gehandhabt werden.

  6. #6
    Registriert seit
    14.08.2006
    Beiträge
    8.259

    Standard

    gerade im privaten Bereich haben Schulden eine ganz persönliche Komponente.
    Eine persönliche Beteiligung. Ich will da nicht von "schuld sein" sprechen, aber von persönlicher Verantwortung

    Die finanzielle Schieflage ist entstanden aufgrund falscher Einschätzungen, Lebensweisen, falschem Vertrauen etc.
    Oft auch aufgrund von Krankheiten, Süchten, psychischen Problemen, Abhängigkeiten, Größenvorstellungen, falschen Annahmen
    Das alles lässt sich nicht lösen mit "Unterlagen sortieren und ab in die Inso"
    Und die Bewältigung erfordert oft ganz massive Umstellungen des gesamten Lebens. Das läuft nicht einfach so und nebenher. Und ja, das kratzt auch am Selbstverständnis und erfordert, die eigenen Einstellungen, Handlungen unter die Lupe zu nehmen.

    Nicht umsonst sitzen in Schuldnerberatungen Sozialpädagogen etc., die das umfassender ansehen.

    "Du bist schuld, du hast zu viel ausgegeben" greift da natürlich viel zu kurz.

  7. #7
    Registriert seit
    03.04.2009
    Beiträge
    4.054

    Standard

    "Du bist schuld, du hast zu viel ausgegeben" greift da natürlich viel zu kurz.
    Es greift zu kurz, trifft aber meistens zu. Und die Erkenntnis, dass man selbst die Verantwortung für sein Handeln trägt, gehört mit zum Bewältigungsprozess.

  8. #8
    Registriert seit
    14.08.2006
    Beiträge
    8.259

    Standard

    Zitat Zitat von FinLaure Beitrag anzeigen
    Es greift zu kurz, trifft aber meistens zu. Und die Erkenntnis, dass man selbst die Verantwortung für sein Handeln trägt, gehört mit zum Bewältigungsprozess.
    letztlich läuft es natürlich darauf hinaus
    Es wurde mehr ausgegeben als eingenommen / als bezahlt werden konnte.

    Da will ich aber nicht von Schuld sprechen und natürlich ist das vielschichtiger.
    Aber der Prozess bei sich zu erkennen was schief gelaufen ist, wo man "schuld" war, wo man falsche Entscheidungen getroffen hat, den Kopf in den Sand gesteckt hat, zu lange an Bequemlichkeiten fest gehalten hat, sich nicht behandeln liess... etc. ist schmerzlich und dauert.

    Und der ist eben in den meisten Fällen nicht mit einem neutralen "Belege sortieren" zu bewältigen

  9. #9
    Registriert seit
    01.01.1970
    Beiträge
    1.147

    Standard

    Belege sortieren hilft aber doch ungemein, den Kopf frei zu bekommen, und auch wenn man sich ne Übersicht macht, was noch alles organisiert werden muss , um letztlich mal am 0-Punkt zu gelangen, sprich geordnete Finanzen im laufenden Bereich zu erzielen.

  10. #10
    Registriert seit
    23.05.2015
    Beiträge
    444

    Standard

    Zitat Zitat von FinLaure Beitrag anzeigen
    Es greift zu kurz, trifft aber meistens zu.
    Nein das trifft meistens max. bedingt zu, und sehr häufig gar nicht.

    Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Trennung sinf mit die häufigsten Ursachen für finanzielle Schieflagen (bei Privatpersonen). Bei Selbstständigen ist das ganze dann komplexer - aber auch da ist das Ausgabeverhalten nicht unbedingt der Grund, eher Finanzamt (Schätzungen, Nachzahlungen, Vorrauszahlungen), Forerungsausfall oder eine schlechte Entwicklung von Branche/Standort/Geschäftsmodell.

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •