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Thema: Menschen mit Verbindlichkeiten

  1. #11
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    Zitat Zitat von Inso? Beitrag anzeigen
    Nein das trifft meistens max. bedingt zu, und sehr häufig gar nicht.

    Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Trennung sinf mit die häufigsten Ursachen für finanzielle Schieflagen (bei Privatpersonen). Bei Selbstständigen ist das ganze dann komplexer - aber auch da ist das Ausgabeverhalten nicht unbedingt der Grund, eher Finanzamt (Schätzungen, Nachzahlungen, Vorrauszahlungen), Forerungsausfall oder eine schlechte Entwicklung von Branche/Standort/Geschäftsmodell.
    Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele.
    Als ich eine ähnliche Argumentation in einem Beratungsgespräch anführte bekam ich als Antwort: "...Sie wollen sich vor der Verantwortung drücken... " und im Nebensatz "...Ihre Gläubiger können doch nichts dafür..."
    Und als ich über von dritter Seite zur Verfügung gestellte Mittel zwecks eines Vergleichs ins Feld brachte wurde ich angeharrscht: "...solche Sachen machen wir hier garnicht... ich glaube nicht, dass das Geld von Dritten kommt... von daher müssen Sie es ohnehin dem Gläubiger überlassen"

    Als ich der werten Dame dann einmal meine Steuerbescheide der vergangenen Jahre zeigte, legte sie mir das als Überheblichkeit aus.
    Für meinen Teil meine ich erkannt zu haben, dass zumindest in eigener Sache, die Beraterin bedingt durch ihre eigene Hybris und in gewisser Sachfremde ("Insolvenzplaverfahren? Nein, das können Sie nicht machen) sich ausschließlich auf die ethischen Aspekte der Schuldenbereinigung fokussieren wollte. Ohne dabei den Blick aufs wesentliche gerichtet zu lassen - auf die Regulierung von Verbindlichkeiten.

    Wie ich in Gesprächen mit Bekannten, die sich in einer ähnlichen Situation wie der Meinen befinden, erfuhr haben diese ähnlich verwegene Geschichten erlebt.

    Schlussendlich hat mein Rechtsanwalt (FA f. Insolvenzrecht) mit mir mehrere Lösungsmöglichkeiten erarbeitet, welche wir jetzt Stufenweise umsetzen werden. Ohne über Nebenschauplätze und pers. Situationen aus der Vergangenheit unnötig lange zu Disputieren.

  2. #12
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    Hallo cluedo,
    um es kurz zu machen:

    Die von Dir wahrgenommenen Reaktionen von Beratungsseite halte ich vom Grundsatz her zunächst einmal nicht fehl am Platze.
    In ihrer Barschheit allerdings - sagen wir mal - ein wenig überzogen.

  3. #13
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    Es ist doch garnicht ihre Aufgabe Gelder von dritter Seite zwecks Vergleich zu negieren und Unterstellungen nach "Bauchgefühl" zu äußern. Das ist sehr verwegen.
    Auch die Aussage über das Insolvenzplanverfahren ist fachlich, sowie sachlich schlichtweg inkorrekt.
    Aber nun gut. Bleibt zu hoffen, dass das was ich und wenige andere dort erlebt haben die Ausnahme ist.

  4. #14
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    Mir fehlt bei der Betrachtungsweise aus Sicht der Schuldner, für deren Lage es gute und weniger gute Gründe gibt, auch mal der Blick auf die Gläubigerseite. Das ist nicht immer nur eine Großbank oder eine Versicherung oder irgendein böses Inkassounternehmen, sondern jemand, der aus privater oder unternehmerischer Sicht auf das Geld angewiesen ist. Nach meiner Erfahrung vergessen das leider viele, welche auf der Schuldnerseite sitzen häufig und gern. Eine Schuldenbereinigung in Form einer Insolvenz, woraus die meisten Gläubiger ziemlich leer ausgehen, wird als gerecht und "einem zustehend" empfunden. Vorwürfe oder schon Nachfragen in diese Richtung sind dann unangenehm und unangebracht.

    Finde ich auch nicht in Ordnung. Ich möchte die meisten Schuldner mal sehen, welche Anstrengungen sie unternehmen würden, wenn es sich um ihr Geld handeln würde, welches auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

    Hört sich hart an (auch nach nochmaligem Lesen) aber es ist in meinen Augen einfach so. Und ich bin weit davon entfernt, ein Inkassofreund zu sein. Eher ein Freund beider Seiten einer Medaille.

  5. #15
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    Zitat Zitat von spassinnebacken Beitrag anzeigen
    Mir fehlt bei der Betrachtungsweise aus Sicht der Schuldner, für deren Lage es gute und weniger gute Gründe gibt, auch mal der Blick auf die Gläubigerseite. Das ist nicht immer nur eine Großbank oder eine Versicherung oder irgendein böses Inkassounternehmen, sondern jemand, der aus privater oder unternehmerischer Sicht auf das Geld angewiesen ist.
    Tja, da aber alle Gläubiger gleich behandelt werden müssen -ist diese Betrachtung unsinnig. Ich war in meinem Leben sowohl Gläubiger als auch Schuldner bzw. wurde zum Schuldner weil ich als Gläubiger meine Ansprüche nicht durchsetzen konnte - so what? Das ist das Leben, leider klappt nicht immer alles reibungslos.

    Und während wir ein System haben das clevere Geschäftsleute quasi haftungslos eine Insolvenz nach der nächsten ermöglicht (mit den entsprechenden Folgen für Subunternehmer oder Kunden) gehst du hier davon aus das gerade "kleine Schuldner" rücksichtslos das Instrument der Insolvenz einsetzen - das halte ich für vollkommen falsch.

    Solange Fälle wie Teldafax möglich sind, sollten wir evtl. auch mal ein wenig Verständnis für den Normal-Insolvenzler haben, ohne die Moralkeule rauszuholen.

  6. #16
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    An keiner Stelle gehe ich davon aus, dass das Instrument der Insolvenz "rücksichtslos" eingesetzt wird, woraus liest Du das?
    Ich setze mich - wie Du auch - für eine möglichst neutrale Betrachtungsweise beider Seiten ein. Nicht mehr und nicht weniger.

    Es gibt gute und nachvollziehbare Gründe für eine Privatinsolvenz, genauso wie es genug Gründe für eine Unternehmensinsolvenz gibt. Es gibt nicht "die bösen Gläubiger" und "die armen Schuldner". Ebensowenig gibt es "die armen Gläubiger" und "die bösen Schuldner". Ich möchte erreichen, dass der Blick sich schärft.

  7. #17
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    Zitat Zitat von spassinnebacken Beitrag anzeigen
    Es gibt gute und nachvollziehbare Gründe für eine Privatinsolvenz, genauso wie es genug Gründe für eine Unternehmensinsolvenz gibt. Es gibt nicht "die bösen Gläubiger" und "die armen Schuldner". Ebensowenig gibt es "die armen Gläubiger" und "die bösen Schuldner". Ich möchte erreichen, dass der Blick sich schärft.
    der gesellschaftliche Konsens in Deutschland läuft aber in Richtung "die bösen Schuldner" (siehe entsprechende gesetzliche Regelungen). Das echte Problem entsteht eigentlich dadurch das die Gesellschaft mehr oder weniger voraussetzt das man sich verschuldet und dann die Schulden bedient - wenn es hier zu Störungen kommt wird man eben zum "bösen Schuldner".

    Ich denke es wäre allen geholfen wenn in Deutschland der "Schuldner" (egal ob Unternehmer oder Privatperson) wieder schneller an den normalen gesellschaftlichen Prozessen teilhaben kann - aber der private Schuldturm der Auskunfteien setzt dem einen Riegel vor.

  8. #18
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    Zitat Zitat von spassinnebacken Beitrag anzeigen
    Ich setze mich - wie Du auch - für eine möglichst neutrale Betrachtungsweise beider Seiten ein. Nicht mehr und nicht weniger.
    Neutralität impliziert doch Objektivität. Und Moralisierungen sind mMn. nicht gerade Bestandsmerkmal objektiver Sachlichkeit.

    Ob Inkassounternehmen per se "böse" sind kann ich nicht beurteilen, mithin gibt es wohl einige Inkassounternehmen deren Taktiken als eher "unorthodox" zu bezeichnen sind, um nicht zu sagen unzulässig. Aber darum geht es mir auch nicht.

    Natürlich ist es unangenehm wenn aufgrund von Zahlungsausfällen eine wirtschaftliche Schieflage entsteht. Allerdings zähle ich keinen einzigen Kleinunternehmer zu meinen Gläubigern, was deren Rechte nicht mindert.

    Meine Anstrengungen bei Geldern, welche ich im Privaten verliehen habe? 0 - bevor ich jemanden in die Insolvenz schicke, habe ich auf die Forderung verzichtet.

    Gerade Begrifflichkeiten wie "böse" und "arm", genau wie "Schuld" und "Unschuld" im moralisch/ethischen Sinne haben in diesem Bereich nichts zu suchen. Das bleibt mein Standpunkt. Sicherlich kann es bei manch einem überschuldeten Menschen Sinnvoll sein, dass man analysiert wie Situation X eintreten konnte. Sofern dieser es nicht selber weiss. Einfach um zu verhindern, dass er sich unwissentlich erneut in eine ähnlich prekäre Situation manövriert.

  9. #19
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    Zitat Zitat von Inso? Beitrag anzeigen
    der gesellschaftliche Konsens in Deutschland läuft aber in Richtung "die bösen Schuldner" (siehe entsprechende gesetzliche Regelungen). Das echte Problem entsteht eigentlich dadurch das die Gesellschaft mehr oder weniger voraussetzt das man sich verschuldet und dann die Schulden bedient - wenn es hier zu Störungen kommt wird man eben zum "bösen Schuldner".

    Ich denke es wäre allen geholfen wenn in Deutschland der "Schuldner" (egal ob Unternehmer oder Privatperson) wieder schneller an den normalen gesellschaftlichen Prozessen teilhaben kann - aber der private Schuldturm der Auskunfteien setzt dem einen Riegel vor.
    Absolut! Da wird man schnell zum unsozialen Wesen degradiert. Der Schuldturm existiert leider in den Köpfen vieler noch, wenn auch imaginär. Leider haben Lobbygruppen eine wirkliche Veränderungen im Verfahren bei der letzten großen Insolvenzrechtsreform wirksam verhindert.

    Auch auf die Gefahr, dass ich etwas abschweife: MMn. sollte schon in Schule der verantwortungsvolle Umgang mit Geld gelehrt werden.

  10. #20
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    Zitat Zitat von cluedo Beitrag anzeigen
    Auch auf die Gefahr, dass ich etwas abschweife: MMn. sollte schon in Schule der verantwortungsvolle Umgang mit Geld gelehrt werden.
    Diesbezüglich sind wir absolut einer Meinung, zu den anderen Gesichtspunkten kann man - so denke ich - auch problemlos unterschiedliche Auffassungen haben und diese diskutieren.

    Nicht nur der verantwortungsvolle Umgang mit Geld, sondern auch der verantwortungsvolle Umgang mit dem Verleihen von Geld halte ich für unabdingbar. Es ist viel zu oft viel zu leicht, selbst Kleinbeträge zu finanzieren, da das Leben "auf Pump" einfach zu einfach geworden ist.

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