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Thema: Gegenstände aus der Firma verkaufen

  1. #1
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    Standard Gegenstände aus der Firma verkaufen

    Hallo an alle,

    ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Thema Insolvenz. Es ist noch nicht klar ob ich den Schritt gehen muss denn ich sehe Möglichkeiten damit es nicht soweit kommt.

    Ich habe nach meinen Recherchen wohl die Wahl eine Verbraucherinsolvenz oder eine Regelinsolvenzverfahren zu durchlaufen wenn es denn so weit käme (bin aktuell Selbstständig mit einer Einzelfirma, suche aber eine Vollzeitstelle). Das Forum und Google hat mir schon viele Fragen beantworten können aber noch nicht alle. Schuldnerberatung kann ich leider keine in Anspruch nehmen, dort wurde ich aufgrund meiner Selbstständigkeit abgelehnt.

    Was ich immer wieder lese ist, dass man vor einer drohenden Insolvenz keine Gegenstände aus der Firma veräußern darf. Genauer gesagt geht es wohl eher darum Dinge unter Wert oder gar kostenlos an Verwande zu "verkaufen" damit es nicht durch die Insolvenz weg ist. Ich habe nicht vor in dieser Richtung etwas zu unternehmen. Meine Auftragslage ist derzeit so schlecht das dass Geld vorne und hinten nicht reicht und eine neue Arbeitsstelle habe ich noch nicht. Ist es in diesem Fall erlaubt, Gegenstände aus meiner Firma zu verkaufen? Ich würde das gerne tun damit ich Geld zum Leben habe und auch meine Gläubiger bedienen kann, habe aber die Befürchtung, dass wenn es zur Insolvenz kommt ich dadurch Schwierigkeiten bekomme.

    Kann mir da jemand weiter helfen?

    Danke und Viele Grüße

    Jürgen

  2. #2
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    ins Pfandhaus bringen und dann wieder abholen....????

  3. #3
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    Was viele nicht wissen: Man kann auch als Selbständiger ggf. ergänzende Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach SGB II durch das Jobcenter erhalten ("Hartz IV"). Da der Monat der Antragstellung noch komplett zu berücksichtigen ist, kann eine Vorsprache noch vor Monatsende sinnvoll sein.

  4. #4
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    Das mit den Leistungen nach SGB II habe ich auch schon gelesen. Ich werde mich mal an einen Antrag setzten solange ich noch keine neue Arbeit habe.

    Kann mir jemand meine eigentliche Frage beantworten?

  5. #5
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    m.E. sind zwei Punkte zu berücksichtigen:
    Gem. § 290 Abs. 1 Nr. 4 InsO kann ggf. Restschuldbefreiung versagt werden, wenn "der Schuldner in den letzten drei Jahren vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder nach diesem Antrag vorsätzlich oder grob fahrlässig die Befriedigung der Insolvenzgläubiger dadurch beeinträchtigt hat, daß er unangemessene Verbindlichkeiten begründet oder Vermögen verschwendet oder ohne Aussicht auf eine Besserung seiner wirtschaftlichen Lage die Eröffnung des Insolvenzverfahrens verzögert hat"

    Die Vorschrift kommt in der Praxis außerordentlich selten zur Anwendung. Je wertvoller die "Gegenstände aus der Firma" sind und je luxuriöser dein Lebensstil und je aussichtsloser die Fortführung der Selbständigkeit, desto gefährlicher wird das Ganze.

    Zum zweiten Punkt: Werden trotz bestehender Zahlungsunfähigkeit einzelne Gläubiger bezahlt und damit andere Insolvenzgläubiger benachteiligt, kommt eine spätere Anfechtung durch den Insolvenzverwalter in Betracht. D.h. Zahlungen können zurückverlangt werden.
    Je nachdem, ob dem Gläubiger die Zahlungsunfähigkeit bekannt war oder es sich gar um nahestehende Personen handelt kann der Anfechtungszeitraum 3 Monate bis 10 Jahre betragen (§§ 130-134 InsO)

  6. #6
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    oder ins Pfandhaus damit auf nimmer Wiedersehen, falls das geht....???die Gegenstände sind doch sein Eigentum, wenn sie gänzlich bezahlt sind.

  7. #7
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    Ab wann spricht man denn von Wertvoll? Also ich bin der Meinung das ich nichts wirklich wertvolles besitze. Lebe schon immer Bescheiden, wohne zur Miete und fahren einen 9 Jahre alten Kleinstwagen. Schmuck, Wertpapiere oder Kunst besitze ich nicht. Meine Firma ist überwiegend mit Eigenbau-Maschinen oder gebrauchten Maschinen eingerichtet. Mal als Beispiel, ich hab zwei Akkuschrauber in der Firma und verkaufe einen für 50 €. Oder meine Eigenbau-CNC Fräsen - vielleicht bekomme ich dafür 1.000 €. Ok oder nicht ok?

    Den Punkt mit der Zahlungsunfähigkeit hatte ich eigentlich so verstanden, dass ich ab Beginn der Insolvenz bzw. ab Beginn der Wohlverhaltensphase keinen Gläubiger bevorzugen darf. Davor darf ich das also auch nicht wenn die Insolvenz droht?

    Pfandhaus ist für mich keine Möglichkeit, wenn ich die Sachen verkaufe, schließe ich auch mit dem Thema Selbstständigkeit ab und will die Sachen auch nicht mehr wieder haben.

  8. #8
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    Ich werde mal versuchen mit einem Anwalt zu sprechen der sich mit Insolvenz auskennt. Wird wohl das beste sein.

  9. #9
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    Ein Akkuschrauber für 50,- dürfte wohl nicht ins Gewicht fallen. Eine CNC-Fräse für 1.000,-? Wäre für mich fraglich.

    Die Frage ist doch: Gibt es einen guten Grund (auch aus Gläubigersicht) den Insolvenzantrag nicht sofort zu stellen? Oder wird nur unnötig Zeit bis zum ohnehin anstehenden Insolvenzantrag überbrückt? Warum magst Du den Antrag jetzt (noch) nicht stellen?

  10. #10
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    Hallo Jürgen,

    grundsätzlich ist es nicht verboten im Vorfeld einer Insolvenz Gegenstände, die Dir gehören zu verkaufen. Die Frage ist jedoch, ob dieser Verkauf anfechtbar sein kann.
    Bei der Prüfung muss geklärt werden, ob durch den Verkauf Gläubiger benachteiligt worden sind. Wenn Du überlegst in die Insolvenz zu gehen und im Vorfeld einzelne, bestimmte Gläubiger bezahlen willst, handelt es sich eindeutig um eine Benachteiligung der anderen Gläubiger. Hier muss man dann die Fristen der InsO (§ 129 ff. InsO) durchprüfen. Wenn Du Gegenstände verkaufst, um Deinen regulären privaten Haushalt aufrecht zu erhalten, wird es eher gehen. Die Zahlung von Mitschulden wäre aber wieder eine Gläubigerbegünstigung.
    Du siehst, so einfach ohne weitere Informationen ist die Frage nicht zu beantworten.

    Grüße aus Berlin

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