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Thema: Verteilung der Masse... was genau bekommt der Gläubiger nun eigentlich?

  1. #1
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    Standard Verteilung der Masse... was genau bekommt der Gläubiger nun eigentlich?

    Hallo zusammen

    Mittlerweile habe ich zwar einen Termin bei einer Schuldnerberatung und denke auch dort ganz gut aufgehoben zu sein, nichtsdestotrotz will ich diesen Menschen ja nicht mit allen möglichen Fragen löchern müssen, die ich mir, mit ein wenig Hilfe von Euch, selbst beantworten kann.

    Bis vor wenigen Wochen war ich ja noch sehr unbeholfen was den ganzen "Insolvenzkram" o.ä. anging und dachte ganz plump: Alles was mir in einer möglichen Insolvenz (welche ich grundsätzlich ja vermeiden möchte) gepfändet wird, geht 1:1 an die Gläubiger weiter. Das ein Gericht, IV und TH auch bezahlt werden wollen (und müssen) ist mir dabei iwie durchgegangen.

    Jetzt habe ich einige Einträge und andere Webseiten gewälzt um mir einen Überblick zu verschaffen was meine Gläubiger in einer Insolvenz erhalten würden um schlussendlich auch abschätzen zu können ob - nach u. U. Scheitern des AEV - das gerichtliche Schuldenbereinigungsplanverfahren überhaupt möglich wäre und eine Ersetzung der Zustimmung i. S. § 309 InsO nicht schon durch die wirtschaftliche Schlechterstellung meine Gläubiger scheitern würde.

    Die folgenden Zahlen sind teils fiktiv, es geht mir hauptsächlich darum ob ich das System richtig verstanden habe:

    Ich gehe von einem pfändbaren Einkommen von 50€ pro Monat, zwischen 15 und 20 Gläubigern und einer Gesamtschuldensumme von 20.000 € aus.

    Streitwert (Insolvenzmasse) müssten dann 72 x 50€ = 3.600,00 € sein?

    Als Gerichtskosten wären zu nennen, 2,5 Gerichtsgebühr vom Streitwert (hier also 127,00 € x 2,5) = 317,50 €
    Dazu kämen u. U. Auslagen für Veröffentlichung und Zustellungen.

    Der IV bekommt 40% der Insolvenzmasse bis 25.000 € (also 40% von 3.600,00 €) = 1.440,00 €
    Dazu kommt eine Auslagenpauschale i. H. v. 15% für das 1. Jahr (also 15% von 1.440,00 €) = 216,00 €
    Dazu kämen 10% für das 2. und jedes weitere Jahr?

    Der TH bekommt 5% aller vereinnahmten Einkommen bis 25.000 € in der WVP, jedoch mindestens 119€ pro Jahr. Also 5 x 119€ = 595,00 €
    Dazu kommen Auslagen von etwa geschätzt 100€.

    Das wären in Summe also 2.668,50 €.

    Insolvenzmasse 3600,00€ - Verfahrenskosten 2.668,50€ = 931,50€ die dann durch Quote an die Gläubiger verteilt werden würden.

    Bezogen auf meine Ausgangsfrage würde das bedeuten, wenn ich in diesem Beispiel 1.000 € + Gerichtskosten anbieten / zahlen würde, wären die Gläubiger wirtschaftlich besser gestellt und § 309 InsO wäre grundsätzlich möglich?

    PS: Natürlich will ich nicht 1.000 € anbieten, es geht mir - wie oben gesagt - nur ums System. :-)

    Danke im Voraus.

  2. #2
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    Es geht bei AEV's nicht um Logik. Es gibt Gläubiger die das prinzipiell nicht annehmen, viele die bestimmte Quoten prinzipiell nicht annehmen und noch nicht mal darauf antworten (meist irgendwo zwischen 10-40%) und andere die alles annehmen.
    15-20 Gläubiger unter einen Hut zu bekommen mit unter 40-50% ist nahezu aussichtslos.

  3. #3
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    Wie gesagt, grundsätzlich war es eh erstmal um das System zu verstehen :-)

  4. #4
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    Grundsätzlich versteht die Gläubiger keiner. Ich musste auf Anweisung vom Gläubiger teilweise 90% Pläne ablehnen um nach Insoeröffnung auszubuchen und nichts anzumelden.

  5. #5
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    Da kann ich manche Gläubiger nicht verstehen das die bei einem AEV wo gewisse Einmalzahlungen angeboten werden nicht zustimmen.Lieber eine Quote von 20% als in der Insolvenz leer ausgehen

  6. #6
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    Das Grundprinzip, inkl. der Besserstellung hast Du ganz gut umrissen und verstanden.

    Ich meine, dass ich neulich mal bei der Creditreform ne Statistik gelesen hätte, die besagte, dass es bei Verbraucherinsolvenzverfahren die in 2016 beendet wurden durchschnittlich eine Gläubigerbefriedigung von 1,6% gegeben hätte. Eine andere Pressemitteilung die mir noch im Kopf schwebt sprach davon, dass es bis einschl. 2014 eine Befriedigung von 2,6 % gab.

    Geht man davon aus, müssten außergerichtliche Einigungen bei werthaltigen Angeboten eigentlich laufend funktionieren. Die Praxis sieht da ganz anders aus. Wenn man sich in die andere Seite reinversetzt, kann man aber auch verstehen warum. Würden solche Quoten laufend zum Erfolg führen stünde zudem m.E. auch das gesamte marktwirtschaftliche Prinzip zur Debatte. Auf der anderen Seite kann man dann wieder den - ich nenns mal - Wahnsinn anführen der in den meisten Fällen zur Überschuldung führt. Nämlich wilde - weitgehend ungeprüfte- Vergabe an Krediten/Verträgen an Leute die es sich nicht leisten können. Schulden machen wird immer, immer einfacher. Da sind wir dann wieder bei der "Wachstumslogik" die unser System am laufen hält. Alles hängt irgendwie zusammen... okay, ich schweife ab

    Unterm Strich ist es so wie die Ex-InkassoMAin sagte: Unter einen Hut kriegt man so viele Gläubiger nicht und die Reaktionen folgen keiner zu verallgemeinernden Logik. Sowas läuft grundsätzlich entweder auf ein Schuldenbereinigungsverfahren bei erzielter Kopf- und Summenmehrheit oder auf eine Verfahrenseröffnung hinaus wenn vorgenanntes nicht erreicht wurde. In Grenzfällen kann man hier und da noch was schieben oder nachverhandeln.

    Ebenso muss man im Auge behalten, dass alle Formen der Entschuldung die nichts mit einer Restschuldbefreiung zu tun haben nur für die Schulden gelten die auch vom Plan erfasst wurden - sprich alle bekannten Schulden. Nur eine Restschuldbefreiung gilt für (fast) alles.

  7. #7
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    Das Grundprinzip, inkl. der Besserstellung hast Du ganz gut umrissen und verstanden.
    Sehr schön

    Unterm Strich ist es so wie die Ex-InkassoMAin sagte: Unter einen Hut kriegt man so viele Gläubiger nicht und die Reaktionen folgen keiner zu verallgemeinernden Logik. Sowas läuft grundsätzlich entweder auf ein Schuldenbereinigungsverfahren bei erzielter Kopf- und Summenmehrheit oder auf eine Verfahrenseröffnung hinaus wenn vorgenanntes nicht erreicht wurde. In Grenzfällen kann man hier und da noch was schieben oder nachverhandeln.
    Gut, das ist mir mittlerweile leider auch ziemlich klar geworden. Aber wie sagt man so schön: "Wer nicht wagt der nicht gewinnt".
    Und sehen wir es mal so: "Ich weiß wo meine Schulden herkommen, ich weiß was schief gelaufen ist und ich weiß, dass diese Gründe nicht mehr auftreten, gewonnen hab ich also eh schon! Wenn ich jetzt noch "einigermaßen preisgünstig" aus diesem Schlamassel rauskomme soll es nicht um ein paar % mehr oder weniger gehen, selbst 99% sind weniger als 100%. :-)"

    Ich hätte ganz gerne in wenigen Jahren eine saubere Schufa um bei einem Umzug mit meiner zukünftigen Frau nicht ständig Probleme mit Vermietern zu bekommen. Ich halte nichts von Leasing und Konsumkrediten, brauche keine Kreditkarte oder sonstiges und komme mit meinem Gehalt prima (klar mehr könnte es immer gerne sein ^^) hin. Dieser Monat war der letzte in dem ich "kurzfristige Verbindlichkeiten" gegenüber meiner Verlobten bedienen musste, die mir durch die letzte Zeit geholfen hat (ein kleiner Laptop für die Uni, Fachbücher, zwei Hosen weil wegen zuviel Schokolade^^ usw). Eigentlich kann ich mich also gar nicht beschweren, und wenn mir dann 1,2,3 Gläubiger Stress machen.. Bitte, ist ja nicht unverdient.

    Ebenso muss man im Auge behalten, dass alle Formen der Entschuldung die nichts mit einer Restschuldbefreiung zu tun haben nur für die Schulden gelten die auch vom Plan erfasst wurden - sprich alle bekannten Schulden. Nur eine Restschuldbefreiung gilt für (fast) alles.
    Das ist natürlich mein größtes Problem! Und da meine "dunkle Zeit" fast ein ganzes Jahrzehnt beeinhaltet, auch ein ziemlich umfassendes.

    Wenn ich allerdings mal davon ausgehe, dass das Vollstreckungsportal keine Einträge zu meiner Person beeinhaltet. Die Schufa, ICD, Creditreform und Bürgel abgefragt sind. Alles was nicht tituliert ist nach dem 01.01.2014 (da war ich zwar noch nicht ganz auf der Höhe aber immerhin wird die Zeit da deutlich "lichter") entstanden sein müsste um nicht schon verjährt zu sein. Fällt mir als einziges noch ein jedes Mahngericht anzuschreiben. Oder übersehe ich da noch etwas?

    PS: Tschuldigt, wenn meine Beträge manchmal ein wenig "abdriften" aber irgendwie ist diese ganze Auseinandersetzung mit meiner Vergangenheit teilweise zwar echt traurig, aber auch unheimlich befreiend, wenn man merkt wie "gut" es einem - trotz Schulden - geht, wenn man selber weiß, das es auch noch schlechter geht. Und das Schreiben darüber reflektiert natürlich nochmal deutlich besser als "nur" zu sinnieren.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Incentiv Beitrag anzeigen
    Wenn ich allerdings mal davon ausgehe, dass das Vollstreckungsportal keine Einträge zu meiner Person beeinhaltet. Die Schufa, ICD, Creditreform und Bürgel abgefragt sind. Alles was nicht tituliert ist nach dem 01.01.2014 (da war ich zwar noch nicht ganz auf der Höhe aber immerhin wird die Zeit da deutlich "lichter") entstanden sein müsste um nicht schon verjährt zu sein. Fällt mir als einziges noch ein jedes Mahngericht anzuschreiben. Oder übersehe ich da noch etwas?
    Da kann man nichts abschließendes zu sagen. Ich kann Dir zwar sagen wie viel Recherche Du anstellen solltest damit unter Umständen vergessene Gläubiger in einem Insolvenzverfahren keine nachhaltigen Schwierigkeiten machen können. Es ist aber bei einer 10-jährigen "Dunkelzeit" m.E. so gut wie unmöglich so umfassend zu recherchieren um guten Gewissens sagen zu können: Nun hab ich alles. Der einzige umfassende, verlässliche Datenspeicher wäre da Dein eigenes Gedächtnis. Wenn das nicht zu mindestens 98%iger Sicherheit ausreicht... musst Du selbst wissen

    Meine persönliche Erfahrung zeigt einfach, dass bei solchen Schuldenhistorien eigentlich immer was auf der Strecke bleibt .

  9. #9
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    Zitat Zitat von Caffery Beitrag anzeigen
    Ich kann Dir zwar sagen wie viel Recherche Du anstellen solltest damit unter Umständen vergessene Gläubiger in einem Insolvenzverfahren keine nachhaltigen Schwierigkeiten machen können.
    Nehm ich auch ;D

  10. #10
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    Schufa, Creditreform, Infoscore, Bürgel, u.U. die kommunale Stadtverwaltung bzw. deren regionaler Inkassoservice der/s Wohnorte(s) und zuletzt mindestens 6 Monate (gemeldet) gewohnt haben ohne dass Post "verschütt gegangen ist". Manche sagen noch das Vollstreckungsportal der Länder wäre wichtig. Ich bin der Meinung nicht unbedingt aber schädlich ist es sicher auch nicht.
    Geändert von Caffery (29.08.2017 um 15:31 Uhr)

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