Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 25

Thema: Mit 73 noch Insolvenz anmelden, ist das sinnvoll?

  1. #1
    Registriert seit
    15.01.2018
    Beiträge
    5

    Standard Mit 73 noch Insolvenz anmelden, ist das sinnvoll?

    Guten Tag zusammen,

    meine Mutter ist hoch verschuldet und hat nach jahrzehntelanger "Vogel-Strauß-Taktik" den Entschluß gefasst ein Insolvenzverfahren anzustreben. Ich habe das zunächst begrüßt, mir kommen aber mehr und mehr Zweifel.

    Die Verschuldung stammt aus einer unternehmerischen Tätigkeit. Das Einzelunternehmen ist ca. 1990 erloschen, Hauptgläubiger sind FA, BG, diverse Krankenkassen und Lieferanten. Ob es mehr wie 20 sind, bleibt abzuwarten, kann aber sein. Meine Mutter kann das nicht beantworten. Sie selber ist auch nur Unternehmerin auf dem Papier gewesen, hat mit dem operativen Geschäft nichts zu tun gehabt. Daher weiß ich aktuell nicht, ob es eine Regel- oder Verbraucherinsolvenz wird. Da die Schuldnerberatungen der Caritas und Diakonie erstmal abgewunken haben, gehe ich von einer Regelinsolvenz aus. Kenne mich dafür aber auch zu wenig aus. Ich (ich müsste meine Mutter unterstützen, bzw. das Verfahren überwachen) würde dies wegen der Komplexität auch nicht alleine bewältigen können, sondern müsste anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.

    Meine Mutter ist mittlerweile 73 und erhält eine Rente unter 1.000 €, liegt somit unter der Pfändungsgrenze, wenn ich das richtig gelesen habe. Ob meine Mutter die Restschuldbefreiung erlebt - ich wünsche es ihr sehr - bleibt abzuwarten.

    Ich stelle mir mehr und mehr die Frage, ob das Insolvenzverfahren noch sinnvoll ist, da ja Anwalt und Insolvenzverwalter bezahlt werden wollen oder ob nicht das Einrichten eines P-Kontos, die gleiche Möglichkeit bietet. Die "Erbschaft" werde ich in jedem Fall ausschlagen. Bestenfalls wird "nichts" vererbt oder aber Schulden.

    Haben die "Poweruser" Empfehlungen für mich?

    VG
    kadk

  2. #2
    Registriert seit
    14.08.2006
    Beiträge
    8.327

    Standard

    warum genau strebt deine Mutter jetzt ein Insolvenzverfahren an?
    Was belastet sie aktuell an den Schulden, gibt es einen konkreten Anlass, wird einer der Gläubiger lästig?
    Oder möchte sie einfach "ordnen" ?
    Oder hat sie diffuse Ängste?

  3. #3
    Registriert seit
    18.03.2010
    Beiträge
    6.183

    Standard

    Natürlich lohnt es sich. Schon allein das eröffnete Verfahren bringt Ruhe ins Leben. Das Durchschnittsalter von Frauen beträgt derzeit etwas 83,4 Jahre, die Insolvenz dauert sechs Jahre.

    Also, auf geht's.

  4. #4
    Registriert seit
    15.01.2018
    Beiträge
    5

    Standard

    Sie möchte gerne abschließen und Ruhe haben. Mahnbescheide kommen immer wieder noch rein und werden mit zittrigen Händen geöffnet. Bislang hatte Sie allerdings auch keine Kraft und oder keinen Willen ein Verfahren anzustreben.

  5. #5
    Registriert seit
    20.07.2017
    Beiträge
    1.263

    Standard

    Zitat Zitat von kadk Beitrag anzeigen
    Ich stelle mir mehr und mehr die Frage, ob das Insolvenzverfahren noch sinnvoll ist, da ja Anwalt und Insolvenzverwalter bezahlt werden wollen oder ob nicht das Einrichten eines P-Kontos, die gleiche Möglichkeit bietet. Die "Erbschaft" werde ich in jedem Fall ausschlagen. Bestenfalls wird "nichts" vererbt oder aber Schulden.

    Haben die "Poweruser" Empfehlungen für mich?
    Ich als "poweruser" *höhö* sage mal: Wenn man es rein wirtschaftlich bzw. ökonomisch betrachtet macht es aus meiner Sicht keinen Sinn.

    Zunächst mal ändert sich an der wirtschaftlichen Situation Deiner Mutter durch ein Insolvenzverfahren nichts. Sprich: Sie hätte weder mehr noch weniger Geld zur Verfügung als ohne Insolvenzverfahren.

    Anhand der von Dir gegebenen Informationen könnte da sogar umgekehrt ein Schuh draus werden. Wenn die Welt bis zum Ende ihres möglichen Insolvenzverfahrens so ähnlich bleibt wie sie jetzt ist könnte nach dem Verfahren eine Rate auf ihre Verfahrenskosten festgesetzt werden. Dadurch würde sie unterm Strich Geld bezahlen welches sie ohne Verfahren nicht hätte zahlen müssen.

    Also machte rein ökonomisch betrachtet ein Insolvenzverfahren keinen Sinn sondern eher eine Erbausschlagung oder im Notfall eine Nachlassinsolvenz.

    Dann wäre da noch die emotionale Seite. Ich hatte auch schon ältere Herrschaften bei mir die das gang unbedingt wollten - etwa um mit sich, dem Thema und der Welt - wie auch immer - abzuschließen. Dann ist es auch das Recht und die Entscheidung jedes Einzelnen diesen Schritt zu gehen - und das ist auch völlig in Ordnung so.

    Eins noch: Bei Rentern mit dauerhaft unpfändbarem Einkommen und sehr alten Schulden wäre vielleicht auch der Versuch über einen Vergleich über einen Schuldenbereinigungsplan mit extrem geringer Quote eine Option. Ich nenne das immer "Marginalvergleich". Aufgrund der Rahmenbedingungen könnten sich Gläubiger in solchen Fällen mir sehr wenig zufrieden geben da die Forderungen schon als uneinbringlich eingestuft sein dürften.
    Leider hat sie aber scheinbar recht viele Gläubiger - wahrscheinlich auch welche dessen sie sich nicht mehr erinnert. Das machte die Sache natürlich sehr schwierig.

    Zusätzlich bräuchte sie auch dafür natürlich Geld zum anbieten - welches sie ohne Insolvenzverfahren nicht ausgeben bräuchte. Es könnte zudem natürlich niemand garantieren, dass es funktioniert - aber manchmal reicht vielleicht auch schon das Gefühl alles versucht zu haben.
    Geändert von Caffery (15.01.2018 um 16:42 Uhr)

  6. #6
    Registriert seit
    15.01.2018
    Beiträge
    5

    Standard

    "Anhand der von Dir gegebenen Informationen könnte da sogar umgekehrt ein Schuh draus werden. Wenn die Welt bis zum Ende ihres möglichen Insolvenzverfahrens so ähnlich bleibt wie sie jetzt ist könnte nach dem Verfahren eine Rate auf ihre Verfahrenskosten festgesetzt werden. Dadurch würde sie unterm Strich Geld bezahlen welches sie ohne Verfahren nicht hätte zahlen müssen."

    So ähnlich sehe ich es auch. Ich kann aber auch Ihren Wunsch nach Bereinigung verstehen. Ihr ist das auch nach Jahrzehnten noch hoch peinlich. Mit Personen die von Ihrer Verschuldung wissen, hat Sie lieber keinen Kontakt mehr. Ich kann das nur zum Teil verstehen. Dieses "was werden die Leute sagen" ist allerdings doch sehr ausgeprägt. Daher ist auch jahrzehntelang nichts passiert.

    Zunächst müsste endlich mal ein P-Konto eingerichtet werden, auch das will sie eigentlich nicht. "Dann kann ich mich bei der Bank nichr mehr sehen lassen"

  7. #7
    Registriert seit
    14.08.2006
    Beiträge
    8.327

    Standard

    deiner Mutter muss halt klar sein dass auch eine Insolvenz etwas ist, das Leute erfahren können.
    Das die Leute von der Bank ganz sicher erfahren.
    Nicht dass das schlimm wäre, aber mit der Einstellung "was denken die Leute" ist auch die Insolvenz durchaus ein Problem

  8. #8
    Registriert seit
    15.01.2018
    Beiträge
    5

    Standard

    ein Problem, von dem aber sowieso jeder weiß. Aber Scham ist immer noch da

  9. #9
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Hamburg/Tostedt
    Beiträge
    690

    Standard

    mit Insolvenz und RSB nach 72 oder 60 Monaten muss kein Kind die Erbschaft ausschlagen oder den Umfang der Erbschaft nachweisen, um der Forderung von Gläubigern der Mutter auszuweichen

    es ist und bleibt eine sehr persönliche Entscheidung

    als Kind würde ich mich freuen, nicht über eine Ausschlagung nachdenken zu müssen

  10. #10
    Registriert seit
    11.12.2004
    Beiträge
    2.852

    Standard

    Wenn deine Mutter tatsächlich nur das monatliche unpfändbare Einkommen hat und kein Grundbesitz o.ä.
    würde ich mir mal an deiner Stelle das durchlesen
    - was die KV betrifft https://www.haufe.de/personal/person...HI2703833.html
    Ich persönlich würde wenn es tatsächlich nichts zu pfänden gibt auch kein Haus /Eigentum da wäre die gesamten Gläubiger anschreiben und die Situation schildern auch das weil man unter dem Pfändungsfreibtrag ist diese noch nicht mal mehr die Kosten rein hollen der Mahnbriefe pp
    Und denn würde ich dazu schreiben das man schon mal überlegt hat in in Inso zu gehen ,aber das ja für alle Beteiligte nur Kosten und Aufwand verursacht und da man ja in Rente ist und sich die Situation nicht mehr ändert das demnach eine Nullrunde würde

    Das würde ich machen und dann die Reaktion abwarten und wie schon gesagt.Das würde ich auch nur machen wenn tatsächlich nur die monatliche Rente unter dem Pfändungsfreibetrag vorhanden wär

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •